Entwürfe für zwei Thermenfenster in St. Maria zu Köthen von Michael Triegel

Die renovierte Pfarr- und Schlosskirche St. Maria zu Köthen wurde 1827-1832 vom herzoglichen Hofbaumeister G. Bandhauer errichtet. Es ist der architektonisch bedeutsamste katholische Sakralbau im protestantisch geprägten mitteldeutschem Raum, der in der nachreformatorischen Zeit entstanden ist. Diese Kirche ist zugleich eine der eindrucksvollsten sakralen Raumschöpfungen des Klassizismus. Die Ost- Westachse des Baus weist auf den Stirnseiten auf jeweils große Thermenfenster hin. Mit dem vorgesehenen Kirchenprojekt ist die Ausgestaltung dieser Fenster mit marianischen Themen vorgesehen, womit dieser Marienkirche entsprochen werden kann. Dieses Vorhaben kann aber nur umgesetzt werden, weil es unterstützt und gefördert wird von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Anhalt-Bitterfeld. Für die Umsetzung dieses Projektes wurde der bekannte Leipziger Maler Michael Triegel gewonnen. Weiterhin wirken an der technischen Umsetzung die Glasfirma Peters aus Paderborn und das Atelier für Architektur und Denkmalpflege, Köthen mit. Das mit der Kunstkommission des Bistums Magdeburg abgestimmte Projekt wird nach den Vorstellungen des Künstlers Triegel wie folgt umgesetzt. Triegel geht auf diesen spätklassizistischen Kirchenbau formal insofern ein, als er die figürlichen Darstellungen in Grisailletechnik in unmittelbaren Bezug zur Architektur setzt und sie so in Farbigkeit, Hell- Dunkelwirkung und Plastizität als integralen Bestandteil des Baus erscheinen lässt. Das sie umgebende leuchtende Blau korrespondiert mit der Farbigkeit der Deckenrosetten und ist ikonografisch die Farbe von Maria und lässt vom Standpunkt des Betrachters den Himmel erahnen. Auf dem Ostfenster über dem Altar werden die Verkündigung und die Pieta dargestellt. Auf dem rechten Zwickel des dreigeteilten Fensters ist Maria in demütiger Haltung – die Magd des Herrn – dargestellt. Sie hält ein Buch in der Hand. Ein Hinweis auf die Bibelworte „…auf das erfüllet werde die Schrift“.
Das Buch ist geschlossen, denn mit der Menschwerdung Jesu Christi beginnt ein neues Testament. Der Engel naht ihr grüßend mit dem Reinheitssymbol der Lilie auf dem linken Zwickel. Während hier der Beginn des Lebens thematisiert wird, nimmt das Mittelfeld Bezug auf sein Ende. So wie Maria den Sohn empfangen hat, so hält sie den toten Sohn am Fuße des Kreuzes wieder im Schoß. Damit sind die Eckpunkte von Christi menschlichem Sein dargestellt. Der Betrachter kann sein eigenes Leben meditieren. Der Gläubige findet Bezug zu den Handlungen der hl. Messe, insbesondere der Eucharistie. Auf dem Westfenster wird Mariä Aufnahme in den Himmel – die Marienkrönung – dargestellt. An Maria wird das vollzogen, worauf Christen hoffen, nämlich auf das ewige Leben bei Gott. Gleichsam als unsere Vertreter werden auf den Zwickeln Adam und Eva gezeigt. Durch deren Sündenfall wurde der göttliche Heilsplan notwendig. Adam schraubt sich in der Bewegung der Figura serpentinata von der Erde empor und wendet sich hoffend zum Licht. Eva betet im Gestus der Adoranten die Dreieinigkeit an. Das Symbol menschlicher Schuld, der Apfel liegt auf dem Boden, die Schuld ist abgetan. Im Sinne der Bedeutungsperspektive sind die Figuren des Mittelteils deutlich größer. Über Wolken wird Maria zur Himmelskönigin. Als ein Symbol ihrer Herrschaft hält sie einen Granatapfel. Der Apfel vom Baum der Erkenntnis hat sich verwandelt. Ikonografisch steht der Granatapfel für Herrschaft (Reichsapfel). für Christus (Blutstropfen) und für die Kirche (viele Kerne in einer Frucht). Nach Vorbildern der Spätgotik und der Renaissance sind Gottvater und Sohn, mit Ausnahme der Wundmale Christi, einander vollkommen spiegelbildlich dargestellt. Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde und der Menschensohn Jesus Christus spiegelt die Göttlichkeit des Vaters. Darüber schwebt der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube. Mit Bezug auf die Offenbarung des Johannes, in der das apokalyptische Weib von 12 Sternen umgeben ist, wird in der Triegelschen Darstellung Maria mit einem Sternenreif gekrönt, den man als Symbol der 12 Tierkreiszeichen sehen mag, die durch ihr gleichzeitiges Erscheinen für die Aufhebung der Zeit, für Ewigkeit vor Gottes Angesicht stehen. Maria wird buchstäblich mit dem Himmel gekrönt.