"Alle Jahre wieder ... Weihnachten steht vor der Tür"

Weihnachten ist wohl nach wie vor das beliebteste Fest in Deutschland und Europa,
auch in seiner säkularisierten Form mit Weihnachtsmann und Weihnachtsmarkt, wenngleich es nicht das älteste Fest der Christenheit ist.
Am Anfang steht Ostern, das Fest der Auferstehung und des Lebens. Erst seit dem
4. Jahrhundert wird Weihnachten gefeiert - bis heute. Doch was feiern wir eigentlich?
Seit dem 1. Advent bemächtigt sich unser eine sonderbare Betriebsamkeit mit Einkäufen, Auslagen, Märkten, Werbung und Feiern am laufenden Band. Warum? Weil bald Weihnachten ist! Aber was ist Weihnachten? Warum feiern wir Weihnachten? Möglicherweise fasziniert das Zusammenspiel von Dunkel und Licht in einer Zeit der kurzen Tage und langen Nächte. Ob Stimmung und Kerzenschein ausreichen, um Weihnachten zu begründen?
Im Dritten Reich wollte man Weihnachten zu einem heidnisch-germanischen Julfest umfunktionieren. In der Sowjetunion feierte man Väterchen Frost, in der DDR das Fest des Friedens, im geeinten Deutschland ist es zu einem Fest des Konsums, des Einkaufens und Genießens mutiert.
Die Christen feiern die Geburt eines Kindes, das vom Himmel gekommen sein soll, von einer Jungfrau geboren, ohne Zutun eines Mannes!? Schönes Märchen - werden manche sagen. Und doch zieht das Kind in der Krippe viele in seinen Bann.
Jedes Menschenleben ist im Grunde ein Wunder, das uns staunen lässt. Leben, das plötzlich da ist, zu dem wir zwar beigetragen, das wir aber letztlich nicht "gemacht" haben. Ein Geschenk eben, auf dem große Erwartungen und Verheißungen ruhen. Wenn sich uns nun Gott selbst in Gestalt eines Kindes zum Geschenk macht, ist das nicht ein noch viel größeres Wunder? Auch wer das nicht glaubt, dieses Kind in der Krippe von Betlehem hat Welt und Menschen verändert - bis heute -, wenn sie sich auf es eingelassen und ihm Raum gegeben haben. Das ist Weihnachten: Gott macht sich uns zum Geschenk, damit auch wir einander annehmen und zum Geschenk machen können. Und die Geschenke, mit denen wir uns zu Weihnachten gegenseitig bedenken, sind im Grunde nichts anderes als ein Abbild dieses Beschenktseins. Nur vom Kind von Betlehem her bekommt Weihnachten einen Sinn.
Ansonsten feiern wir uns selbst, und dann wird es meistens banal. Vielleicht ahnen die Menschen hinter allem Trubel dieses Geheimnis, das Weihnachten umgibt, auch wenn es viele nicht mehr wissen.
Entdecken Sie das Kind in der Krippe, mit dem der Himmel auf die Erde gekommen ist und das Gott der Welt für immer zum Geschenk gemacht hat.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen frohe, gesegnete Weihnachten und freudige Überraschungen

Ihr Pfarrer Armin Kensbock