900 Jahre Köthen – Wir waren schon da!

Wer kennt nicht die Geschichte von Hase und Igel, die um die Wette laufen, und der Igel immer gewinnt, weil sein Frau, die Igelin, immer schon am Ziel ist, bevor der Hase es erreicht.
Wenn auch nicht ganz vergleichbar, weil der Igel mit seinem Pendant getrickst hat, so ist es doch ähnlich mit den Jubiläen, die wir in diesem Jahr und in den kommenden Jahren begehen.
1000 Jahre St. Sebastian in Magdeburg – Wir waren schon da!
900 Jahre Köthen – Wir waren schon da!
800 Jahre Anhalt – Wir waren schon da!
500 Jahre Reformation – Wir waren schon da!
Man kann es drehen und wenden, wie man will, wir Katholiken waren schon da. Natürlich nicht vor der Schöpfung, da gab es den ewigen Gott, aber die Kirchenväter waren so kühn zu behaupten, dass Gott die Welt auch um der Kirche willen geschaffen hat. Und das Volk Israel galt als Vorausentwurf für das neue Israel, die Kirche. Also doch schon irgendwie immer da?
Wie dem auch sei. Alle und alles andere kam irgendwann später hinzu. Auch wenn manche Nachgekommenen sich den Hut aufsetzen und die Deutungshoheit für sich beanspruchen, so ist es doch gut, manche Jubiläen gemeinsam zu feiern bzw. ihrer zu gedenken.
So haben im Jahr 2012 katholische und evangelische Christen in Anhalt das 800-Jahr-Jubiläum gemeinsam mit den Repräsentanten aus Staat und Gesellschaft mit einigen Festakten und Gottesdiensten in Dessau und Roßlau und anderen Orten in Anhalt begangen.
Am 14. Juli gab es für die Dekanatsjugend auf dem Rosslauer Schillerplatz ein Musikprogramm, am 15. Juli am selben Ort einen Dekanatstag des Dekanates Dessau, an dem der Bischof aus Magdeburg, der Nuntius aus Berlin, der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und ein Nachfahre des Hauses Anhalt teilnahmen. Damit die Ursprünge nicht vergessen werden, gab es sogar ein eigenes Buch mit dem Titel ““ Katholiken in „Ohne Holz“ ““, denn wir waren schon da!
In diesem Jahr steht nun die 900-Jahr-Feier der Stadt Köthen an. Auch dieses Ereignis wird ökumenisch und in Zusammenarbeit mit der Stadt Köthen vorbereitet und gefeiert. Im Verlauf des Jahres wird es die unterschiedlichsten Veranstaltungen von verschiedenen Initiatoren geben.
Den Auftakt bildet ein ökumenischer Gottesdienst am 08. Februar in der Stadt- und Kathedralkirche St. Jakob, an den sich der Neujahrsempfang der Stadt Köthen anschließt. Auch hier verweist diese Kirche auf eine Zeit, in der es uns schon gab. Man kann es nicht ändern!
Aber es ist doch schön, dass die Stadt und die christlichen Gemeinden an einem Strang ziehen zum Wohl unserer Stadt. Auch der Sachsen-Anhalt-Tag im Mai wird gemeinsam vorbereitet und begangen.
Schwieriger wird es mit dem Ereignis, das uns noch bevorsteht – 500 Jahre Reformation. Da weiß man nicht so recht, soll man feiern oder eher trauern? Soll man das Gemeinsame betonen oder das Trennenden bzw. Unterscheidende hervorheben? Soll man jubilieren oder gedenken? Gemeinsam oder getrennt?
Sicher wird es so sein: Die einen werden feiern, die anderen werden gedenken, und irgendwo wird man sich in der Mitte treffen. Aber auch hier gilt, bevor dieses Ereignis geschah – wir waren schon da. Es ist eben doch ein wenig wie bei Hase und Igel, nur ohne Trickserei! Na dann viel Spaß und viel Freude beim Feiern, Jubilieren oder Gedenken. Gemeinsam und miteinander sind wir jetzt hier.