Eichendorff - Gedenken

 

Literarische-musikalische Matinee zu Ehren des Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff am 18. November 2012 in Köthen

von Andreas Brandt

Am Sonntag, den 18.11.2012, veranstaltete die Katholische Pfarrei St. Maria in Köthen zusammen mit der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen (Anhalt) im großen Saal des Pfarrhauses zu Ehren von Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 bis 1857), der zu den bekanntesten Dichtern der deutschen Romantik zählt, eine literarisch-musikalische Matinee.
Eichendorff hielt sich nachweislich zweimal in Köthen auf, wobei die jeweiligen Umstände, die ihn nach Köthen brachten, alles andere als erfreulich waren. Als die sogenannte Märzrevolution 1848 in Berlin tobte, deren Radikalisierung ihn erschreckte, wich er mit seiner Familie von Berlin nach Dresden, und, als auch dort ein republikanischer Aufstand ausbrach, im Mai 1849 über Meißen nach Köthen aus. Von einer Verwandten kaufte Eichendorff im Oktober 1854 für seine Tochter Therese von Besserer-Dahlfingen ein kleines Haus in Köthen, welches heute noch in der Bernburger Straße existiert. Im Mai 1855 übersiedelten die Eichendorffs aus finanzieller Not, die sie ein Leben lang begleitete, nach Köthen zu ihrer Tochter, wo sie nur einige Monate verbringen konnten, da ihr Schwiegersohn, Offizier von Beruf, nach Neisse in Schlesien versetzt wurde. Der Aufenthalt in Köthen war durch die schwere Erkrankung von Eichendorffs geliebter Frau Louise getrübt.




Die 150. Wiederkehr des Aufenthalts des Dichters Joseph von Eichendorff im Jahr 2005 in Köthen war ein Grund, weshalb sich eine Arbeitsgruppe zusammenfand, die nunmehr unter dem Dach der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen (Anhalt) jährlich in zeitlicher Nähe zum Todestag des Dichters, den 26. November, Eichendorff-Ehrungen mit einem amüsanten, kulturellen Programm, in Zusammenwirken mit der Katholischen Pfarrei St. Maria, durchführt, die kenntnisreich und liebevoll durch den Spiritus Rector dieser Veranstaltung, Herrn Norbert Pietsch, und seine jeweiligen Mitstreiter vorbereitet werden. Das diesjährige Thema lautete: „Eichendorff - der Dichter des Wanderns“.
Die Wanderschaft ist e i n Leitmotiv der Romantik, insbesondere bei Eichendorff, welches bei ihm mit seiner christlich-konservativen Grundhaltung verbunden ist. Er war katholisch. Sein Glaube war Richtschnur seines Handelns, Denkens und Fühlens, wie es unschwer aus seinem Werk zu entnehmen ist. Während seiner Aufenthalte in Köthen wird er daher die Gottesdienste in der Schloss- und Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt zu Köthen besucht haben, so dass am vergangenen Sonntag, vor der weltlichen Ehrung, die Hl. Messe für die Eheleute Louise und Joseph Eichendorff gefeiert wurde. Pfarrer Armin Kensbock griff das Wandermotiv in der Form des Pilgerns in seiner Predigt auf, bei dem man „Gott auf die Spur kommen möchte“. Beim Pilgern sei nicht der Weg schon das Ziel, sondern man möchte tatsächlich ankommen, um Erfüllung und Zufriedenheit zu erlangen, damit sich alle Strapazen und Mühen lohnen. Für Christen ist das Ziel, bei Gott anzukommen, welches Eichendorff nicht aus den Augen verlor, was u.a. aus seinem Gedicht „Heimkehr“ (1831/36) ablesbar ist, welches Pfarrer Kensbock auszugsweise zitierte. Die Lieder zum Gottesdienst wurden aus Franz Schuberts (1797 bis 1828) “Deutschen Messe" gesungen, die in romantischer Weise die Gefühle der Feiernden ansprechen.
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In der Matinee im Pfarrhaus, an der auch der Oberbürgermeister der Stadt Köthen, Herr Kurt-Jürgen Zander, teilnahm, hielt Wolfgang Giebichenstein den Vortrag „Das Wandermotiv in der Romantik und bei Joseph von Eichendorff - die Suche nach der Blauen Blume“ und Ernst Kiel sprach über „Die Harzwanderung der Brüder Joseph und Wilhelm von Eichendorff“. Norbert Pietsch gab Informationen zur Eichendorff-Pflege und machte Ausführungen zum Thema „Heinrich Steffens in Halle und Breslau - Philosoph und Inspirator der Freiwilligen zum Kampf gegen Napoleon (1813)“ und zur Einweihung des neuen Eichendorff-Denkmals am 11. Mai 2012 in Breslau.
Selbstverständlich durften Rezitationen und Lesungen aus dem Werk des Dichters, insbesondere aus der Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ nicht fehlen, in der es um Wanderlust, Fernweh, Sehnsucht und Unbekümmertheit, aber letztlich auch um Heimat geht. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch den Instrumentalkreis der Pfarrei St. Maria.
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Auch ein Horn erklang, welches in der Romantik als Instrument der Seele galt, das die „romantische Sehnsucht“ zum Ausdruck bringt. Zur Stärkung wurde den Besuchern der Veranstaltung schlesischer Streuselkuchen, ein kulinarischer Gruß aus Eichendorffs Heimat, mit Kaffee gereicht, was Wilfried Büchse veranlasste, ein Lobgedicht in niederschlesischer Mundart über den „Sträselkucha“ zu zitieren.

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