Katholische Kirche feiert das Hochfest Fronleichnam

Wer heute Morgen auf seinen Kalender an der Wand schaute, wird ein sonderbares Wort zum heutigen Tag gelesen haben: Fronleichnam. Die meisten Leser werden wahrscheinlich damit nichts anzufangen wissen, haben fragend mit den Schultern gezuckt und sind zu ihrer Tagesordnung übergegangen. Nicht so die Menschen in den 6 katholisch ausgerichteten Bundesländern, wie z.B. Nordrhein-Westfalen und Bayern; dort ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag, an dem die Regeln des Alltags aufgehoben sind: Die Geschäfte haben geschlossen und es wird nicht gearbeitet, damit der Gottesdienst besucht und gefeiert werden kann.
Auch wenn der Klang des Wortes Fronleichnam es nahe zu legen scheint, so handelt es sich dabei keinesfalls um ein „Zombiefest“, an dem einer verwesenden Leiche gedacht wird. Genau das Gegenteil ist der Fall! Die sonderbare Bezeichnung für den heutigen Tag kommt vom mittelhochdeutschen vrôn lîcham und bedeutet "des Herrn Leib “. In der katholischen Liturgie ist es das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“, welches jährlich an einem Donnerstag, und zwar am 60. Tag nach dem Ostersonntag, feierlich begangen wird. Dieser Donnerstag spiegelt den Gründonnerstag wider, an dem Jesus Christus, Gottes eingeborener Sohn, zusammen mit seinen 12 engvertrauten Gefährten, den Aposteln, das Pessachmahl feierte, mit dem die Juden im Frühjahr die Befreiung des Volkes Israels aus der Sklaverei Ägyptens gedenken. Jesus wusste, dass er verraten und den nächsten Tag nicht überleben wird. Um seine aufopfernde Liebe zu den Menschen zu besiegeln, stiftete er zur Erinnerung an seinen Tod, seine Auferstehung und Wiederkunft die Eucharistie, in dem er über Brot und Wein jeweils das Segensgebet sprach und sagte: Das ist mein Leib. Das ist mein Blut. Er wies die anwesenden Apostel und ihre Nachfolger an, seine Gesten und Worte bis zu seiner Wiederkunft zu wiederholen, was in jeder katholischen heiligen Messe bis heute ununterbrochen geschieht. Dabei geht es nach katholischem Verständnis nicht um ein Nachspielen der Ereignisse beim letzten Abendmahl vor Jesu grausamen Tod am Kreuz, quasi wie bei den Oberammergauer Passionsspielen. Durch die feierliche Weihehandlung, die Konsekration, in der heiligen Messe durch den Priester, einem Nachfolger der Apostel, werden Brot und Wein, auch wenn sie sich äußerlich nicht verändern, in Leib und Blut Christi gewandelt und bleiben es auch so lange, wie die eucharistischen Gestalten bestehen. Katholische Christen glauben, das heißt, sie vertrauen auf die Gewissheit, dass Christus in dem konsekrierten Brot und Wein wirklich zugegen ist und bleibt. Für Nichtgläubige wirkt das befremdlich, oft wird auch Anstoß genommen. Aber wer das Mysterium des christlich-katholischen Glaubens halbwegs verstanden hat, erkennt Sinn, Zweck und Ziel des Lebens.
Die Anregung, die heilige Eucharistie mit einem eigenen liturgischen Fest zu begehen, bot eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich († am 05. April 1258). Denn der Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung der Eucharistie, steht unter dem Eindruck des Leidens des Herrn Jesus Christus („grün“ von greinen = weinen). Wurde das Fest zunächst nur regional begangen, erhob am 11. August 1264 Papst Urban IV. Fronleichnam zu einem Fest für die gesamte Kirche.
Am Fronleichnamstag wurde es zum frommen Brauch, das konsekrierte Brot in Form einer Hostie in einem aufwendig gestaltetem Schaugefäß, der Monstranz, in feierlicher Prozession durch die Straßen der Stadt zu tragen und an 4 Stationen, an denen festlich geschmückte Altäre aufgestellt sind, das Evangelium zu verkünden und den sakramentalen Segen, u.a. für die Stadt und deren Bewohnern, zu erteilen.

Da am heutigen Donnerstag in Sachsen-Anhalt kein gesetzlicher Feiertag ist, wird eine heilige Messe in St. Anna in der Lohmannstraße in Köthen um 18:00 Uhr gefeiert. Der Gottesdienst wird von Jugendlichen der Pfarrei musikalisch mitgestaltet. Am kommenden Sonntag, den 22. Juni, wird dann der besonders festliche Gottesdienst um 14:00 Uhr als Dank für die Einsetzung der heiligen Eucharistie in St. Mariä Himmelfahrt in der Springstraße begangen. Unmittelbar nach der heiligen Messe findet die Prozession der Gemeinde durch die Innenstadt von Köthen mit Fahnen und Banner unter Gesängen, Gebeten sowie in Begleitung eines Blasorchesters statt, wobei Pfarrer Armin Kensbock und Diakon Marcel Liebing abwechselnd die Monstranz tragen werden. Den Ehrendienst am Baldachin, womit das Allerheiligste behütet wird, übernehmen traditionell 4 Malteser. Die letzte Station der Fronleichnamsprozession ist im Innenhof des Katholischen Pflegeheims St. Elisabeth in der Wallstraße. Dort findet anschließend ein Gemeindefest mit den Bewohnern statt, bei dem befreundete Studenten aus Indonesien u.a. landestypische Lieder vortragen werden. Wer katholische Liturgie und Freude miterleben möchte, ist herzlich eingeladen, wobei Respekt vor dem heiligen Geschehen vorausgesetzt wird.

von Andreas Brandt