Kinder der Pfarrei mit Bischof Dr. Gerhard Feige und Diakon Marcel Liebing am 10. 05. 2014

Katholische Pfarrei St. Maria Köthen feierte Diakonenweihe und Erstkommunion

Wer in den vergangenen Wochen mehrfach an der Katholischen Schloss- und Pfarrkirche St. Maria in der Springstraße in Köthen vorbeikam, wird sich vielleicht gewundert haben, weshalb solange die Kirche mit dem päpstlichen Farben, Gelb und Weiß, geflaggt war. Die Fahnen kündigten gleich zwei besondere Ereignisse an: Am 10. Mai wurde das Gemeindemitglied, Herr Marcel Liebing aus Köthen, in einem festlichen Pontifikalamt, das in der Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg gefeiert wurde, von S.E. Bischof Dr. Gerhard Feige zum Diakon geweiht. Am vergangenen Sonntag empfingen 12 Kinder, 8 Mädchen und 4 Jungen, im Alter von 9 und 10 Jahren, die Erste Heilige Kommunion. Grund genug, die große Freude der Pfarrei für alle deutlich sichtbar durch die Fahnen anzuzeigen.
 
Diakon Marcel Liebing bereitet sich auf das Priesteramt vor; die Priesterweihe wird er am Samstag vor Pfingsten im nächsten Jahr empfangen. Er ist leider erst der zweite Priester, der aus der Gemeinde St. Maria in Köthen seit ihrer Errichtung durch Papst Leo XII. am 17. Mai 1826 hervorgehen wird. Herr Liebing ist ein sogenannter „Spätberufener“, der zwar spät aber nicht zu spät zum christlichen Glauben gefunden hat. Er wurde 1977 in Köthen geboren und besuchte dort die Schule. Die Taufe empfing er zunächst nicht; er hatte mit „Kirche“ nichts bis wenig zu tun. Er absolvierte eine Lehre zum Elektroinstallateur und wurde Handwerksmeister der Elektrotechnik. Von 1997 bis 2012 war er Berufssoldat bei der Bundeswehr, zuletzt im Rang eines Hauptfeldwebels. Während seiner Auslandseinsätze als Soldat, u.a. im Kosovo und Afghanistan, beeindruckte es ihn, dass die Menschen, die so viel Leid und Elend ertragen müssen, ihre Freude trotzdem nicht verloren haben, die sie aus ihrem Glauben schöpften. Das brachte ihn zum Nachdenken über den Sinn des Lebens an sich und über sein eigenes Leben: Wenn diese Menschen trotz ihrer schrecklichen Lage, an der sie selbst nichts ändern konnten, nicht verzweifeln, dann muss etwas an dem Glauben an Gott, der Halt und Sinn gibt, dran sein. Nach intensiven Gesprächen mit katholischen Feldgeistlichen, die die Bundeswehr den Soldaten in den Auslandseinsätzen für die seelische Unterstützung beiseite stellt, entschloss sich Herr Liebing während des Einsatzes im Kosovo, sich taufen zu lassen, um zukünftig als Christ zu leben.
 
Das ist durchaus etwas Besonderes, aber nicht unbedingt ungewöhnlich, denn es lassen sich auch andere Erwachsene taufen. Für Marcel Liebing blieb es aber nicht dabei. In ihm wuchs die Sehnsucht, katholischer Priester zu werden, um die Freude und den Sinn des Lebens, der von der frohen Botschaft, die von Gott kommt, möglichst vielen Menschen nahezubringen. Der Wunsch, Priester zu werden, löste bei seiner Familie und Freunden zunächst einige Irritationen aus. Über ähnliches berichten auch andere Priester und Ordensfrauen, die ihr Leben ganz Gott und den Mitmenschen widmen. Davon ließ sich wiederum Diakon Liebing nicht irritieren, so dass er 2009 das Theologiestudium im Interdiözesanen Seminar zur Priesterausbildung in Lantershofen im Rheinland aufnahm und 2013 erfolgreich abschloss.

Zurzeit ist er als Diakon der Pfarrei St. Bonifatius in Wernigerode tätig. Durch die Diakonenweihe ist Herr Liebing befugt, das Sakrament der Taufe zu spenden, Trauungen zu assistieren, Wortgottesdienste vorzustehen und Beerdigungen vorzunehmen sowie in der heiligen Messe das Evangelium zu verkünden und zu predigen. Nach Empfang der Priesterweihe darf er dann auch die Eucharistie feiern und das Bußsakrament sowie die Krankensalbung spenden.
 
In seiner Predigt zu Diakonenweihe wies Bischof Dr. Feige daraufhin: "Wer Jesus folgt, bleibt nicht zu Hause hocken!“ Er wies auf die Worte von Papst Franziskus: „Geht zu denen, die am Rande leben! Bringt ihnen das Evangelium! Dient den Menschen, wie Christus ihnen gedient hat. Dies gilt durchaus für alle Christen." Wenn man durch die Fußgängerzone von Wernigerode geht, kann es sein, dass man Diakon Liebing trifft, der sich um Obdachlose und andere Mitmenschen, die an den Rand der Gesellschaft gestellt wurden, kümmert. Auch das ist ihm eine Herzensangelegenheit. Man kann nur Hochachtung und Bewunderung für seinen Lebensweg und seiner Haltung entgegenbringen.
 
Mit Stolz und großer Freude fuhren dann auch an dem besagten Samstag in der Früh rund 90 Mitglieder der katholischen Pfarrei St. Maria Köthen mit zwei Omnibussen nach Magdeburg, um bei dem seltenen Ereignis einer Diakonenweihe teilzunehmen. Unter ihnen die 12 Kommunionkinder mit ihren Eltern und Geschwistern, die in den ersten Reihen der Kathedrale dem Weiheritus mitfeiern durften. Zwei Wochen später hatten sie selbst ihren großen Tag, an dem sie das erste Mal den Leib des Herrn Jesus Christus in der Eucharistie empfangen durften. Die Feier stand unter dem Thema „Ich bin da, wo du bist!“ Gemeint ist, dass Gott den Menschen nicht allein, nicht im Stich lässt; auf Ihn ist Verlass.
Auf dieses entscheidende Ereignis im Leben eines katholischen Christen wurden die Kinder durch Pfarrer Armin Kensbock und Gemeindereferent Matthias Thaut mit Unterstützung von vier Gemeindemitgliedern seit September 2013 gut vorbereitet. Man traf sich einmal im Monat an einem Samstag, wobei auch die Eltern und die Geschwister mit einbezogen wurden. Denn nur wenn in der Familie Glaube gelebt, vorgelebt wird, kann dieser wachsen und ein Leben lang tragen. Das Ziel eines jeden Christen ist es, bei Gott anzukommen. Dass dieses erreicht wird und dass niemand auf dem Weg dorthin verloren geht, dafür werden gute Hirten benötigt.

von Andreas Brandt