Kein Leben ohne Opfer

Zur Priesterweihe und Primiz von Marcel Liebing am 03. und 04.06.2017

Wer möchte schon Opfer sein? Wer möchte schon Opfer bringen? Und doch können wir Menschen nicht ohne Opfer leben.

Wir opfern Zeit, wenn uns jemand oder etwas am Herzen liegt. Wir opfern Geld, wenn wir jemanden oder etwas unterstützen wollen. Manchmal bringen Menschen auch Opfer, damit andere überleben können. Hat nicht der jetzige Bundespräsident eine seiner Nieren geopfert, damit seine Frau weiterleben kann? Und sind nicht gerade Mütter bereit, vieles oder sogar alles zu opfern, damit ihre Kinder in Not und Gefahr nicht zugrunde gehen? Wir alle leben von den kleineren und größeren Opfern, die andere für uns bringen.

Das größte Opfer aber ist, wenn jemand sein Leben für einen anderen in die Waagschale wirft. Menschen, die das für ihre Überzeugung oder für ihren Glauben tun, nennen wir Märtyrer. Nicht die, die andere töten, sondern die, die ihr Leben für andere geben.

Wir Christen glauben, dass Gott sogar soweit gegangen ist, dass er seinen Sohn Jesus Christus für uns in den Tod gegeben hat. Und er selbst hat gesagt: Niemand hat eine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.

Wir leben von den Opfern, die andere für uns bringen. Wir leben von dem Opfer, das Christus für uns gebracht hat. Sein Tod am Kreuz war kein Verkehrsunfall oder ein Justizirrtum, sondern seine freiwillige Lebenshingabe für die Menschheit, damit wir im Tod nicht untergehen. Denn er ist nicht im Tod geblieben, sondern hat den Tod in seiner Auferstehung überwunden – für uns. Dieses Ereignis von Tod und Auferstehung feiern wir Christen in jeder Heiligen Messe.

Am Samstag vor Pfingsten wurde Marcel Liebing, ein junger Mann aus unserer Pfarrei, in Magdeburg durch unseren Bischof Dr. Gerhard Feige zum Priester geweiht wird. Er wirft sich und seine ganze Existenz in die Waagschale des Lebens und des Glaubens, um das für die Kirche und die Welt zu tun, was Jesus für uns getan hat, nämlich seine Lebens- und Liebeshingabe darzubringen. Das geschieht unter den Zeichen von Brot und Wein, in denen Jesu Opfer gegenwärtig wird. Denn der Priester ist dazu da, zu opfern und geopfert zu werden, damit andere Leben können. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für andere hingibt. Der Priester tut das aus Liebe zu Gott und zu den Menschen. Vielleicht liegt darin auch die letzte Begründung für die Ehelosigkeit des katholischen Priesters. Hingabe an Gott und die Menschen aus Liebe. Priester ist man nie für sich selbst, sondern immer für andere.

Es gibt kein Leben ohne Opfer. Wir leben von den Opfern, die andere für uns bringen. Wir leben von dem Opfer, das Christus für uns gebracht hat. Wir leben von dem Opfer, das der Priester Tag für Tag auf dem Altar darbringt, weil Gott unser Leben will in Zeit und Ewigkeit. Und deshalb brauchen wir Priester, die bereit sind, das für uns zu tun, zu opfern und geopfert zu werden aus Liebe zum Leben!


Priester bleibt der Geweihte für immer.
„Tu es sacerdos in aeternum secundum ordinem Melchisedech.“
„Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedechs.“